Archiv der Kategorie: Satiren

Laudatio auf eine Pionierin der fächerübergreifenden Wissenschaft

Von führenden Wissenschaftsexperten und Entwicklungsbeobachtern wird seit Jahrzehnten der Umstand einer immer weiter um sich greifenden Spezialisierung und Vereinzelung der Natur- und Geisteswissenschaften beklagt. Die einzelnen Ergebnisse der jeweiligen Forschungsgebiete seien allzu isoliert und demnach von immer geringerer Relevanz für das Gesamtverständnis unserer ständig sich verändernden und an Komplexität zunehmenden Umwelt. Ein Experte sei demzufolge jemand, der immer mehr über immer weniger wisse, bis er schlussendlich alles über nichts wisse.

Glücklicherweise gibt es in jüngster Zeit immer häufiger Bestrebungen, diesem allgemeinen Trend entgegenzuwirken. Das Konzept des fächerübergreifenden Unterrichts in gewissen Schulen, bei denen zum Beispiel in der Sportstunde auch gemalt werden darf – das Ergebnis nennt sich „action painting“ – wird nun auch (gewissermaßen in einem bottom-up-Verfahren) auf Hochschulen, weiterführende Schulen und Universitäten übertragen. Lobende Erwähnung darf insbesondere eine der Vorreiterinnen dieser innovativen Bewegung hier in Freiburg und demnächst in Mannheim finden: die erfolgreiche Doktorandin Frau Sandra H. Als eine der ersten Forschungs- und Lehrkräfte an der Albern-Lustig-Universität hat sie es unternommen, linguistische Untersuchungen mit Methoden und Resultaten aus verwandten, weniger verwandten und angeheirateten Forschungsgebieten wie Geotherminologie, Buddhanistik, Asterixologie und Pseudoneoliberalistik zu verbinden.

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Im Traum bin ich so klein geworden…

Im Traum bin ich so klein geworden, daß ich ins Klo gefallen bin:

Ich klammerte mich an meine eigene Scheiße, bis jemand kam und die Spülung zog. Ich hielt den Atem an. Ich schrumpfte noch immer.

Eine Weile lebte ich bei den Mikroben, die diesen Scheißplaneten besiedelten. Ihr Lebenszweck betand darin, aus meiner eigenen Scheiße ihre eigene Scheiße zu machen. Eine wertvolle und nützliche Arbeit. Sie brachten mir bei, wie man als Mikrobe lebt und wie man sich am besten auf dem Planet der Scheiße einrichten kann. Manchmal versuchte ich ihnen zu erzählen, wo ich herkam und wer ich und dieser Scheißplanet eigentlich waren. Das konnten sie nicht verstehen, denn das Wort Scheiße hatte gar keine Bedeutung für sie, da Scheiße alles war, was sie hatten. Es gab keinen Vergleich. Und da ich weiter schrumpfte, hatten die Mikroben mich eines Tages einfach übersehen.

Dann geriet ich zwischen die Atome, und das machte wirklich Spaß. Ich klammerte mich an ein Elektron und zischte mit ihm durch den leeren Raum, vorbei an den riesigen, unerreichbar fernen Planeten, die Atomkerne waren. Irgendwie gelangte ich doch auf einen dieser Kerne und begegnete den Quarks, die darauf lebten. Sie behandelten mich gut, und wo ich herkam, interessierte sie gar nicht. Bei ihnen fand ich eine Anstellung als Quarkverkäufer, eine Wohnung gegenüber einer Quarkblumenhandlung, eine Quarkfrau, mit der ich zwei Quarkkinder zeugte.

Ich bin seitdem immer noch nicht aufgewacht.

(2008)

Das bundestägliche Farbspektrum

Das bundestägliche Farbspektrum ist ja nur ein kleiner Ausschnitt des sichtbaren Lichtes. An den Enden der Skala gibt es einerseits infra- bzw. ultra-rote Frequenzen, und andererseits hyperviolette Strahlung. Letztere manifestiert sich in Form von Seidentüchern und Räucherstäbchen im Kabinett – kontraspirituelle Nichtraucher bitte draußen beten. Auch Braun-sche Bewegung, vielleicht ein bißchen zuviel davon, ist seit neuestem im politischen Teilchenbeschleuniger zu beobachten.

Den Zustand des derzeitig dominierenden Lichtes eindeutig zu bestimmen ist fast unmöglich. Teilchen oder (Wester-)Welle? Das kommt auf den Betrachter an, und davon gibt es viele. Sämtlichen erwarteten Resultaten gerecht zu werden erweist sich als unmöglich, da ist es nur gerecht, wenn keine erfüllt wird. Das Recht auf Unzufriedenheit ist unantastbar.

Genauso verhält es sich mit Position und Richtung eines Parteilchens: ob rechts oder links, keiner kann sagen, wo es sich befindet und gleichzeitig, wohin es sich bewegt. Ohnehin ist der Eindruck vielfach unterschiedener Materie mit unterschiedlichen politischen Eigenschaften rein illusorisch. Feste Materie gibt es nicht, die Stoffmenge im Bundestag besteht zum größten Teil aus leerem Raum. Die Linken und die NPD sind nicht voneinander getrennt, sie sind vielmehr Ausprägungen desselben Phänomens, das sich gleichzeitig in zwei unterschiedlichen quantenneurotischen Zuständen befindet.

All dies läßt sich unter relativitätsdemokratischem Aspekt noch einigermaßen schlüssig erklären. Was einzig irritiert, ist der fortwährende Verstoß gegen den Ersten thermodynamischen Hauptsatz; demzufolge bleibt die Menge der Energie in einem geschlossenen System immer gleich. Soviel Energie in Form von Steuergeldern dem System auch zugeführt werden mag, es wird immer noch viel mehr davon vernichtet –

quod erat demonstrandum ut perpetuum mobile extet ex negativo.