Archiv der Kategorie: Obertonchor

Musik im Dunkeln I

Meditation zum Lauschen und (Mit-)Tönen

mit Elementargesang, Texten, Klangrad und Stille

Mitglieder des Experimentalchors Freiburg

Leitung:     Sven Hinz

Freitag, 31. Oktober, 19 Uhr

Dominikanerkloster Freiburg

Ludwigstr. 35

Eintritt frei (Spenden erbeten)

„Wer sprechen kann, kann auch singen“

„Ich kann ja nicht singen“ – ist das wahr?

Viele von uns laufen mit dem Gefühl durchs Leben, nicht singen zu können. Meist haben sie das in ihrer Kindheit gehört, von Eltern, Lehrern oder sogar Mitschülern. Dieses Urteil ist nicht wahr, denn:

Wer sprechen kann, kann auch singen.

Sie haben eine Stimme! Sie singen den ganzen Tag – nur wissen Sie es nicht. Sie brauchen keine Noten, Sie können gleich anfangen, Ihre Stimme auszuprobieren. Laut, leise, hoch, tief, hell, dunkel – was immer Sie wollen. Das einzige, was Sie davon abhält, ist der Gedanke „Was sollen die andern denken?“ – Tja: Was wohl? Sie denken vielleicht: „Oh, da singt jemand. Könnte ich auch mal wieder machen.“

Wenn Sie Lust haben, Ihre Stimme und damit sich selbst völlig neu kennenzulernen, dann seien Sie

herzlich willkommen im Oberton- und Experimentalchor Freiburg!

Der Experimentalchor Freiburg ist aus dem Freien Obertonchor hervorgegangen. Beide Chorgruppen wurden von Sven Hinz im Februar 2011 gegründet. Zur Zeit bestehen die Gruppen aus sechs bis acht Sängerinnen und Sängern, die sich regelmäßig alle zwei Wochen (donnerstags ab 19 Uhr) zum gemeinsamen Tönen und Schweigen treffen.

 

Den Mittelpunkt des Singens bildet der uneingeschränkte Ausdruck der Stimme – von sehr laut bis sehr leise. Die Chorgruppen sind vor allem für diejenigen offen, die glauben „Ich kann ja nicht singen.“ Während der Proben gibt es weder Richtig noch Falsch, nur die allgemeine Vorgabe – oder besser: Möglichkeit – in sich hineinzulauschen und zu spüren, was sich jetzt, in diesem Augenblick, durch meine Stimme ausdrücken will. Weder Notenkenntnisse noch musikalische oder stimmtechnische Vorbildung sind erforderlich.

Die – sehr leicht erlernbaren – Techniken des Obertongesangs bilden lediglich einen Aspekt unter vielen anderen. Eines der Ziele unseres Chores besteht außerdem darin, die Grenze zwischen Publikum und Ausführenden sowie zwischen Konzert und Gottesdienst aufzuheben.

 

Sven Hinz, geb. 1979, studierte in Freiburg Schulmusik, Musik-wissenschaft, Phonetik und Literatur und ist als freischaffender Komponist und Chorleiter auf der Suche nach natürlichem, spontanen musikalischen Ausdruck, der über die Möglichkeiten notierter Musik hinausgeht.

 

Wenn Sie Interesse haben, an unseren Chorgruppen teilzunehmen, schreiben Sie bitte eine Mail an:

 

swghinz@web.de

Die Vier Elemente

Naturtexte

1.

Anrufung an die Erde

Nach jeder Anrufung folgt der Refrain „Whooouuuu“.

Erde! Aus dir geworden,
werd ich eins mit dir am Tag der Auferstehung.

Mutter Erde, Erste Mutter:
Siehe,
hier steht dein Kind.

Erde, vergib mir! Denn ich wusste nicht, was ich tat.

Mutter Erde: Unser tägliches Brot gibst du uns.

O Heiland! Aus der Erde spring!

Erde, du Liebe,
du trägst mich.

Sven Hinz

 

2.

Atem des Lebens,
Heiliger Geist,
Wehe, wann und wo du willst.

Ref.: Haaaaaah – Ruách[1]!

Atem Gottes,
Ströme aus, ströme ein,
Entfache das Feuer des Lebens in uns.

Ref.

Atem der Welt,
du kommst und vergehst,
spiele das Spiel der Formen durch uns.

Ref.

Sven Hinz

 

 


[1] Ruach: hebr. Wind, Atem, Geist

Die Stille und das Heilige

1.

Jeder Ton wird aus der Stille geboren,
stirbt zurück in die Stille und ist
während seiner Lebensspanne
von Stille umgeben.
Stille ermöglicht dem Ton das Sein.

Nichts in dieser Welt, so wurde gesagt, gleicht Gott so sehr
wie Stille. Du musst nur darauf achten.

Eckhart Tolle

 

2.

Das größte Wunder deines Lebens geschieht,
wenn du entdeckst,
dass alles um dich herum
in Stille und Frieden ist.
Und dass das immer schon da war
und auf dich gewartet hat.
Sogar Krieg, Lärm und Geschrei
sind von diesem Frieden umgeben.
Nichts kann ihn zerstören.
Nichts kann ihn dauerhaft zudecken.

Einfach bemerken:
Es ist immer still um dich.

 

3.

Du bist von Ewigkeit umgeben.
Zeit ist nur in deinen Gedanken.

 

4.

Weisser Traum

Alles ist weiss
Alles ist still

Oh Wunder
diese stille, weiße Welt…

Der Waldboden,
ein schneeweißer Teppich,
schweigend stehen die Bäume in weiße Wintermäntel gehüllt.

Steh still…
um das Wunder einzulassen…

Sanft schweben die Flocken nach unten,
die Luft von einen Traum erfüllt.
Einen Augenblick berühren sie mein Herz,
meinen eigenen stillen Traum.

 

5.

Das Geringste, das man als in Gott erkennt,
ja, erkennte man selbst nur eine Blume so,
wie sie ein Sein in Gott hat,
das wäre edler als die ganze Welt.

Meister Eckhart

 

6.

O ewige Weisheit, komm heute mit solcher Macht in meine Seele,
dass du alle meine Feinde vertreibest,
alle meine Gebrechen linderst und
alle meine Sünden vergibst.

Erleuchte mein Verständnis mit dem Lichte des wahren Glaubens,
entzünde meinen Willen mit deiner innigen Liebe,
verkläre meinen Geist mit deiner fröhlichen Gegenwart,
gib allen meinen Kräften Frische und Vollkommenheit
und bewahre mich endlich bei meinem Tode,
dass ich dich unverhüllt schauen und genießen dürfe
in seliger Ewigkeit.

Heinrich Seuse

 

7.

Richte deine Aufmerksamkeit
auf die vielen leisen Geräusche der Natur –
das Rascheln der Blätter im Wind,
das Klopfen fallender Regentropfen,
das Summen eines Insekts,
den ersten Vogelgesang im Morgengrauen.

Gib dich vollkommen dem Lauschen hin.
Jenseits der Geräusche ist etwas Größeres:
eine Heiligkeit, die mit dem Verstand nicht zu begreifen ist.

Eckhart Tolle

Der Tod ist das Tor zum Leben

Texte

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

 (Zwei ungeborene Zwillinge unterhalten sich im Bauch der Mutter.)

A:      Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?
B:      Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draußen kommen wird.
A:      So ein Unsinn! Es kann kein Leben nach der Geburt geben. Es ist noch nie einer zurück gekommen! Mit der Geburt ist das Leben zu Ende.
B:      Ja, ich gebe zu, dass keiner richtig weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und dass sie für uns sorgen wird.
A:      Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter! Wo ist sie denn?
B:      Na, hier – überall um uns herum. Wir leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!
A:      Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also kann es sie auch nicht geben.
B:      Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt…

 Nach Henry Nouwen

 

Aus der Apokalypse

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
und das Meer ist nicht mehr.

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach:
Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein,
und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
und der Tod wird nicht mehr sein.

Offb. 21, 1-3

 

Die Auferstehung

Auferstehn, ja, auferstehn wirst du,
Mein Staub, nach kurzer Ruh‘.
Unsterblich Leben
Wird, der dich schuf, dir geben.

Wieder aufzublühn, werd ich gesät.
Der Herr der Ernte geht
Und sammelt Garben
Uns ein, uns ein, die starben.

(aus: Friedrich Gottlieb Klopstock, Die Auferstehung)

Das Geheimnis der Weihnacht

Texte

 1.

Den aller Weltkreis nie umschloss
der liegt in Marien Schoß;
er ist ein Kindlein worden klein,
der alle Ding erhält allein.

Das ewig Licht geht da herein,
gibt der Welt ein neuen Schein;
es leucht wohl mitten in der Nacht
und uns des Lichtes Kinder macht.

Martin Luther, 1524

2.

Der erste, in mein Herz hineinleuchtende Gedanke war der:

Ich stellte vor meine inneren Augen mich selber mit allem, was ich bin,
mit Leib, Seele und allen meinen Kräften;
um mich herum stellte ich alle Geschöpfe, die Gott je in Himmel und Erde
erschuf und im Bereich der vier Elemente, ein jegliches mit seinem Namen,
sei es ein Vogel in der Luft,
ein Tier des Waldes,
ein Fisch im Wasser,
Laub und Gras der Erde,
die unzähligen Körnlein Sandes im Meer
und dazu der kleine Staub, der im Sonnenstrahl erglänzt
und alle Tröpflein Wassers, die von Tau, Schnee oder Regen je fielen
und immer weiter fallen;

dann wünschte ich, ein jegliches hätte ein liebliches,
in die Höhe dringendes Saitenspiel, angeschlagen
aus meinem innersten Herzen;
und dass sie erklingen lassen möchten ein neues,
hochgemutes Lob Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Heinrich Seuse

 

3.

Ich habe eine Kraft in meiner Seele,
die für Gott ganz und gar empfänglich ist.

Meister Eckehart

 

4.

Das Geheimnis der Weihnacht

Es ist egal, wie alt du bist.
Äußerlich magst du zwanzig oder achtzig Jahre alt sein,
in deinem Innern ist noch immer
dieselbe liebende, offene Freude,
mit der du als Baby deine Entdeckungsreise
in dieser Welt begonnen hast. Du hast so vieles erlebt,
bist erwachsen geworden und hast vergessen, daß du
in Wirklichkeit ein kleines, leuchtendes, unsterbliches Kind bist.
Wie kannst du das kleine Kind, das du bist, wiederfinden?
Indem du jetzt aufhörst, über irgendetwas nachzudenken.
Ein Baby denkt nicht nach. Es freut sich einfach über alles,
was es sieht und hört.
Lade dich ein, dich zu freuen wie ein Kind.
Dann erfährst du das Geheimnis der Weihnacht –
jeden Tag.

Sven Hinz