114. Soirée Text und Ton: „Die lieben Verwandten“

„Der Bestsellerautor sitzt am Schreibtisch. Seine Bücher sellen sich best.“

Wieviel Schilling kostet eine Ohrfeige? Oder ein Gemälde von Caneloni, dem unbekannten Rubensschüler? Wissen Sie schon, was einmal Ihre letzten Worte auf dem Sterbebett sein sollen?
„Sie werden daliegen, ein dummes Gesicht machen, und es wird Ihnen nichts einfallen“, konstatiert  Joschi trocken, eine der Hauptfiguren in Hugo Wieners Geschichtensammlung „Die lieben Verwandten und andere Feinde“. Darum ist Joschi als Handlungsreisender in Sachen Zitate zum Abtreten unterwegs.
Der Bestsellerautor dagegen verstresst seine Zeit mit Un-Leben, und erst der Medizinische Fortschritt höchstpersönlich muss ihn darauf aufmerksam machen: Was fangen Sie eigentlich mit Ihrem verlängerten Leben an?
Diese und andere pikante Fragen werden en passant in den humoristischen Kurzgeschichten des Wiener Kabarettisten gestellt. Beantworten müssen wir sie allerdings selber!

 

Hugo Wiener, 1904 geboren, gilt als einer der vielseitigsten Humoristen, Satiriker, Komponisten, Librettisten seiner Zeit und steht durchaus in derselben Reihe wie Georg Kreisler, Ephraim Kishon oder Loriot. Seine Frau, die Sängerin und Schauspielerin Cissy Kraner, lernte er 1938 während seiner Flucht vor den Nazis kennen, auf einem Schiff nach Bogotá. Im Exil gründeten sie eine Pianobar, in der Cissy allabendlich die Chansons ihres Mannes in
Hugo Wiener und Cissy Kraner fünf verschiedenen Sprachen vortrug, während er sie am Klavier begleitete.

Nach zehn Jahren kehrten sie nach Wien zurück und feierten als Ensemblemitglieder des Wiener „Simpls“ Erfolge. Später übernahm Hugo Wiener die künstlerische Leitung des 1912 gegründeten Bierkabaretts. In dieser Zeit entstanden seine berühmten Doppelconferencen („Der Gescheite und der Dumme“), die er für Karl Farkas und Ernst Waldbrunn verfasste.
Zu den bekanntesten seiner über vierhundert Chansons zählen „Der Novak lässt mich nicht verkommen“ oder „Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn“, die von Cissy Kraner in unvergesslicher Weise interpretiert wurden. Wiener starb 1993 im Alter von 89 Jahren.

„Wir leben im Zeitalter der Nacktheit. Werbung, Film und Fernsehen bringen nackte Männer, nackte Frauen, nackte Tatsachen. Was wir verhüllen, ist nur – die nackte Wahrheit.“